sehr geehrte besucher/innen;
momentan sind nur zwei räumlichkeiten erschlossen und dürfen von den besuchern betreten werden.
der innere komplex ist ein gefährliches labyrinth von gängen, hallen und kleinen gruften, in denen man sich nur zu leicht verirren kann. es wird ersucht, nicht auf eigene faust in den katakomben herumzuwandern. einige teile sind baufällig und werden auch von den bewohnern des hauses äusserst selten aufgesucht. sollten sie, werte besucher, die beschilderten wege verlassen, sind sie auf sich allein gestellt.
eventuell verunglückte könnten im wahrsten sinne des wortes zu ewigen bewohnern der unterwelt werden, da sie nicht mehr gefunden werden. mobiltelefone funktionieren hier unten leider nicht. es hat also keinen sinn, jemanden rufen zu wollen, denn es würde sie niemand hören. sollte jemand wider erwarten doch einen blick in den unerschlossenen teil wagen wollen, finden sich wahrscheinlich bewohner des hauses, die sie begleiten würden - je nachdem, wie weit sie sich selbst hier unten auskennen.
die katakomben ragen tief in die erde hinein und wurden von uns noch nicht erforscht. wir wissen nicht, wie gross der eigentliche komplex ist und was sich hier unten noch alles verbirgt. der vordere teil - jener, der als kelleranlagen von den früheren besitzern des hauses genutzt wurde, wird von uns weiter verwendet - hier befinden sich ebenfalls kellerräume sowie eine discothek und ein kino. disco und kino befinden sich im vorderen teil und sind nicht zu übersehen - folgen sie einfach den gekennzeichneten wegen.
aufgrund der immensen grösse der unterirdischen anlagen sehen wir uns imstande, eine disco sowie ein kino zu unterhalten, ohne die ruhe der weit entfernten unterirdischen mausoleen und grabanlagen zu stören. durch das gestein dringt kein laut zu denen, die hinter dem tor für immer ruhen.
der gang, der vom benutzten bereich weiter nach unten führt, endet an einem schweren, eisernen tor, das immer verschlossen gehalten wird. dahinter befinden sich die eigentlichen katakomben. es soll wege geben, das tor zu umgehen, aber wir raten dringend davon ab - siehe oben.
bei eventuellen besichtigungen bitten wir um pietätvolles verhalten und einhaltung der totenruhe im bereich der gruften, knochenkeller und unterirdischen grabanlagen. danke für ihr verständnis.
wir wünschen ihnen einen schönen aufenthalt und gute unterhaltung!
teil 2
er tastete sich durch die dunkelheit voran…hörte geräusche von weit weg…wasser tropfte von der decke auf den boden. das geräusch machte ihn langsam eine spur unruhig. träumte er das alles? lag er noch auf der weissen liege, ein glas wasser neben sich, eine handvoll bunter pillen daneben…one for the road, hatte er noch gemeint und ein paar rote und blaue geschluckt…war er erwacht und hier hinuntergegangen? wenn es ein traum war, dann war er der realste, den er seit langem gehabt hatte. er konnte die kälte der wände fühlen und die nässe, die durch seinen pullover drang, als er sich kurz dagegenlehnte.
er machte einen schritt vorwärts und blieb dann abrupt stehen, als etwas weiches und gummiartiges sein gesicht streifte. seine augen hatten sich inzwischen an das hier herrschende dunkelgraue licht gewöhnt, es ähnelte einem ewigen zwielicht, nur war es dunkler, näher bei der nacht. viel näher. und ohne den morgen. er blickte den gang entlang und da waren sie - schwarze luftballons, die im schwachen luftzug durch die gänge trieben. der eine, der sein gesicht berührt hatte, schwebte vor seinem gesicht. er griff die schwarze schnur, die an dem ballon befestigt war und ging weiter den gang entlang, griff sich ab und zu eine der herunterhängenden schnüre und sammelte ein ganzes bouquet schwarzer ballons ein, bis er sie alle hatte. sie zogen an seiner hand, als würden sie sich dagegen wehren, mit ans tageslicht genommen zu werden. eigentlich hatte er vorgehabt, sie ins foyer mitzunehmen und dort freizulassen, es wäre ein bild für götter, das ganze foyer voll mit ballons und herunterhängenden schnüren, doch als er den fuss der treppe erreichte, stolperte er und liess vor schreck die schnüre los. sie trieben davon, den gang entlang und waren schon bald ausser sichtweite. es war erstaunlich, wie schnell sie gewesen waren.
irgendetwas, das er nicht sehen konnte - das er nie sehen konnte, aber das oft hier unten war, liess ein dunkles und kullerndes lachen hören. er hatte es schon einmal gehört, draussen, vor der bar, an einem windigen und regnerischen herbstabend, als alles dünngestrichelt aussah, wie eine zeichnung…als alles rundherum wie eine feingestrichelte zeichnung aussah. der regen fiel damals in dünnen schnüren herab, ähnlich den schnüren, an denen die ballons hingen, feine, dünne fäden, die vom himmel herabhingen, und der nebel war tief gehangen, hatte den blick auf die dächer der nachbargebäude verschleiert und den himmel bedeckt, mit grau und wieder grau. das wasser war laut gurgelnd in den kanal geflossen. damls hatte er das geräusch gehört, es schien aus dem kanal zu kommen, aber er konnte es nicht wirklich genau sagen. und ob es das wasser gewesen war. es klang aber anders. wie eine stimme, seltsam unmelodisch, ohne modulation, irgendwie roh. er war damals recht schnell wieder zurück in die bar gegangen, konnte er sich erinnern, und er hatte es auf’s wetter geschoben, das ja nasskalt war…manche dinge bleiben besser, wie sie sind - unbekannt, fremd und nicht wirklich fassbar. jedenfalls war es ein teil des ganzen. hatte sich hier eingenistet, als jemand die tür offengelassen hatte, da war er sich sicher.
er sah noch einmal zurück. natürlich konnte er nichts bsonderes sehen, nur den alten gang. von einer wand strichelte regen herunter und sammelte sich in einer pfütze, in der sich etwas träge zu bewegen schien.
teil 1
shine sprintet die gänge entlang, runter in den teil des gewölbes, das noch unerschlossen ist. es ist ihm nicht gerade wohl, aber irgendjemand hat ihm in der rezeption einen packen fotos auf den schreibtisch gelegt und diese fotos, die alle eine mumifizierte leiche zeigen, wurden alle in einer kammer aufgenommen, die shine kennt. er flucht leise vor sich hin, weil er wie immer die taschenlampe vergessen hat. eigenartigerweise brennen hier unten fackeln an den wänden - er fragt sich, wer sie entzündet hat. im russigen nebel kann er kaum noch sehen, wohin er läuft, aber er hat es im gefühl, dass es gerade richtig ist. was ihm seltsam vorkommt, ist die tatsache, dass er auch die schrift auf dem zettel nicht kannte, der auf den fotos lag. eine krakelige schrift wie krähenfüsse, als würde sich jemand bemühen, mit einer zittrigen hand zu schreiben.
er nähert sich der kammer und bleibt perplex stehen. das was er da sieht, kann nur eine illusion sein. lauter schwarze luftballons schweben unter der decke. er hat so etwas noch nie gesehen - der ganze raum ist mit luftballons angefüllt wie bei einer sehr morbiden geburtstagsfeier. von der leiche ist noch nichts zu sehen, aber wahrscheinlich muss er den raum erst betreten. er zögert noch. die geschichten, die man sich über diesen teil der katakomben erzählt, handeln von eigenartigen ereignissen. man hätte diesen teil zumauern sollen, so stand in einer aufzeichnung des vorbesitzers des hauses. er steht unschlüssig im halbdunkeln, die fackeln flackern beunruhigend, als würde sich ein luftzug erheben. und tatsächlich weht hier unten ganz plötzlich ein eiskalter wind. shine zündet sich eine zigarette an und überlegt vor sich hin. es wäre doch mal interessant, herauszufinden, was hinter diesen geschichten steckt…
der luftzug wird stärker, etwas nähert sich schnell von hinten und bevor er sich umdrehen kann, ist es schon heran, er wird zur seite gestossen und fällt gegen die wand, an der er sich mit der hand abstützt.
er sieht etwas von hinten, er kann nicht erkennen, was es ist, etwas grosses, von dem eine schreckliche kälte ausgeht. er ist froh, es nicht näher in augenschein nehmen zu müssen.
die ersten fackeln erlöschen.
er bemerkt, dass sich seine hand klebrig-feucht anfühlt und hält sie sich nahe vors gesicht, um noch etwas erkennen zu können. es sieht wie blut aus, dickes, schlieriges blut, das von seinen fingern tropft. die wand neben ihm scheint blut auszuschwitzen, ein ekelerregender geruch nach verwesung steigt wie dunst aus dem boden des ganges, und es wird immer nebeliger. der geruch nimmt zu. ekel krampft ihm den magen zusammen, beinah hätte er sich übergeben. angeekelt wischt er seine hand an der hose ab. die fackel, die neben ihm in der wand steckt, erlischt mit einem zischen. shine tritt den rückzug an….und zwar schnell. sehr schnell…
er kommt an der eisentür an, die den alten vom neuen teil trennt und atmet tief die frische, erdige luft ein, dann wirft er einen blickt zurück. der gang liegt in dichter dunkelheit, nichts rührt sich…oder doch? angestrengt starrt er in die dunkelheit. irgendetwas bewegt sich ganz hinten im gang, oder spielen ihm seine augen einen streich? für diesmal ist es genug, mehr möchte er jetzt gar nicht wissen. er steigt die treppen zum hotel hoch und bemerkt erst jetzt, dass er bleiern müde geworden ist.
er beschliesst, gleich schlafen zu gehen.