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winter is savage, but so are we

posts tagged "archangel bar"

Dearest,
Our bodies may not be meant for Wild Hunts and blood carnivals. We may never be able to hold poison under our tongues, gorge ourselves on pomegranate seeds with impunity, or tattoo our skin with spells and curses.
We may be swallowed by nuclear winters that will splinter our bones, radiations spreading in our veins as cold as ice.
What will become of our flesh, love, when it changes and transmutes? What shall become of us, glass-like and glowing green in the night, I do not know.
But there is clarity in only one thing:

Winter is savage, but so are we.

Send my regards to the Erl King,
MJ.

sacred

vielleicht war das letzte glas rotwein zu viel gewesen. shine spürte wieder diese sehnsucht in sich wachsen, die nur dann zutage tritt, wenn man in ein anderes stadium des bewusstseins gleitet, wenn man bereit ist, den körper nicht mehr zu spüren

the body slays the soul
it should be the other way round

hörte er in seinem kopf - er erinnerte sich an die worte, nur zu gut. grausame worte, doch er verstand sie so gut. nun war es wieder mal soweit, seine seele wollte die maskerade nicht mehr mitspielen und gaukelte ihm bilder von grau-glitzernden zwielichtwelten vor. vorgaukeln? - diese welten waren echt. er sah mit zusammengekniffenen augen hinein in diese welten und spürte regen auf seinem gesicht. er roch einen hauch von weihrauch und sah glitter und grau. eine feder fiel vom himmel, die war weiss und an den rändern grau. ein willkommensgruss.

er verliess seinen körper. gefühle überströmten ihn, die er kaum beschreiben konnte. war es glück oder trauer? er wusste es nicht. beides in einem - kann das gehen? sein lebensgefühl war wieder aufgetaucht, nach so langer zeit. lebensgefühl? das gefühl, tot zu sein. endlich. wieder. tot. zu. sein. er bemerkte es nicht, dass sein irdischer leib weinte, wie breite rinnsale strömten tränen unentwegt über seine wangen. shine flog. und wieder ein hauch von glitter in grau, regen fiel auf seinen irdischen leib und vermischte sich mit seinen tränen, aber er war endlich zuhause.

nach dem sturz in seinen körper tastete er nach wein und zigaretten, tastete in der dunkelheit, die ihn umgab, nach licht, doch er konnte kein licht finden. kein licht.

es gab kein licht für ihn in dieser welt. lass dunkelheit dich umfangen, lass deinen körper auf der erde liegen, denn er ist blind und taub für die wahrheit. deine seele verträgt kein licht. ein instrument der qual war sein körper. er rauchte und trank seinen wein, wischte sich die tränen vom gesicht. es war vorbei, der schmerz war unbeschreiblich. wie stumpfsinnig sein körper war. er sah in die dunkelheit und begann, zu schreien. ich bin tot , worte der qual, worte wie ein blutiger strom erbrach er, kotzte sich seine sehnsucht aus dem leib, schrie, kroch am boden wie ein junkie, zitternd..frierend

kein licht

bis zum nächsten mal



ich bin tot

violent violet

du hast die ewigkeit aufgegeben
und nun strahlt dein licht

vielleicht noch nicht zu spät, nie zu spät, das gefühl wieder zu erwecken, das wir damals hatten, als wir frierend in dieser unglaublich kalten bar zusammen sassen, imuhar, juliette und ich, und immer wieder muss ich daran denken, ich muss eure hand erhaschen und sie halten, mir ist kalt, ich erfriere, wo verdammt seid ihr!!!!!!!!!!
wir waren beschäftigt, viel ist passiert, drüben brodelt das volle leben…versteht ihr?
*mixt sich wieder mal einen model inside und starrt die wand an, wünscht sich eins von julis bildern drauf, seufzt* das volle leben. es ist auch gut so, aber…es übertönt so manches, das in der stille besser aufgehoben wäre. vielleicht denkt ihr genauso wie ich.
ich muss euch jetzt was hier lassen. *geht zur bar und mixt etwas neues zusammen, es flirrt über der theke und violette lichter tanzen auf den wänden.* shine denkt an eine völlig irrsinnige discokugel und beginnt, albern vor sich hinzukichern. leute, ich hab von archangel geträumt. und es war eine bar in einer real existierenden stadt. wir hatten kaum gäste, wisst ihr. *lacht noch alberner.* wir waren ehrlich gesagt nur drei. es liegt wahrscheinlich daran, dass die leute die kälte nicht vertragen. weicheier.
soll ich den drink weichei nennen? denkt er noch und richtet inzwischen blaubeermuffins für die beiden auf einem teller her. ihr müsst zuerst eine unterlage zu euch nehmen, sonst haut euch der alk völlig zusammen. ich weiss das, ich hab dauernd gekostet. noch alberner als er kann man nicht mehr lachen. untermalt von einem unglaublichen song, der sich etienne nennt, werkt er hinter der bar und fühlt sich endlich wieder zufrieden. gott, die typen da draussen, die eben geschockt hier durch die fenster glotzten, hättet ihr mal sehen sollen, aber für die sieht es sowieso so aus, als hätte die bar geschlossen. für manche ist die bar eben immer geschlossen. er blickt den proleten indigniert nach und giesst sich gleich noch ein glas von dem neuen cocktail ein. wie soll das teil nun heissen?…

violent violet

der soll immer dann getrunken werden, wenn man dieses scheissleben wieder mal nicht verkraftet.

*wankt eben stockbesoffen, abgefüllt mit violent violet bis zur halskrause, durch die gassen rüber zur kirche, die mitten in der nacht noch offen hat, überlegt, sich kurz noch messwein zu klauen, verwirft den gedanken wegen seiner momentanen verfassung und zündet statt dessen rote grabkerzen vor dem altar an. denkt wieder an die irre discokugel und lacht in der leeren kirche schallend, verlässt lachend den raum*

katakomben - zur beachtung

sehr geehrte besucher/innen;

momentan sind nur zwei räumlichkeiten erschlossen und dürfen von den besuchern betreten werden.
der innere komplex ist ein gefährliches labyrinth von gängen, hallen und kleinen gruften, in denen man sich nur zu leicht verirren kann. es wird ersucht, nicht auf eigene faust in den katakomben herumzuwandern. einige teile sind baufällig und werden auch von den bewohnern des hauses äusserst selten aufgesucht. sollten sie, werte besucher, die beschilderten wege verlassen, sind sie auf sich allein gestellt.

eventuell verunglückte könnten im wahrsten sinne des wortes zu ewigen bewohnern der unterwelt werden, da sie nicht mehr gefunden werden. mobiltelefone funktionieren hier unten leider nicht. es hat also keinen sinn, jemanden rufen zu wollen, denn es würde sie niemand hören. sollte jemand wider erwarten doch einen blick in den unerschlossenen teil wagen wollen, finden sich wahrscheinlich bewohner des hauses, die sie begleiten würden - je nachdem, wie weit sie sich selbst hier unten auskennen.

die katakomben ragen tief in die erde hinein und wurden von uns noch nicht erforscht. wir wissen nicht, wie gross der eigentliche komplex ist und was sich hier unten noch alles verbirgt. der vordere teil - jener, der als kelleranlagen von den früheren besitzern des hauses genutzt wurde, wird von uns weiter verwendet - hier befinden sich ebenfalls kellerräume sowie eine discothek und ein kino. disco und kino befinden sich im vorderen teil und sind nicht zu übersehen - folgen sie einfach den gekennzeichneten wegen.
aufgrund der immensen grösse der unterirdischen anlagen sehen wir uns imstande, eine disco sowie ein kino zu unterhalten, ohne die ruhe der weit entfernten unterirdischen mausoleen und grabanlagen zu stören. durch das gestein dringt kein laut zu denen, die hinter dem tor für immer ruhen.

der gang, der vom benutzten bereich weiter nach unten führt, endet an einem schweren, eisernen tor, das immer verschlossen gehalten wird. dahinter befinden sich die eigentlichen katakomben. es soll wege geben, das tor zu umgehen, aber wir raten dringend davon ab - siehe oben.

bei eventuellen besichtigungen bitten wir um pietätvolles verhalten und einhaltung der totenruhe im bereich der gruften, knochenkeller und unterirdischen grabanlagen. danke für ihr verständnis.


wir wünschen ihnen einen schönen aufenthalt und gute unterhaltung!

twilight zone

teil 2

er tastete sich durch die dunkelheit voran…hörte geräusche von weit weg…wasser tropfte von der decke auf den boden. das geräusch machte ihn langsam eine spur unruhig. träumte er das alles? lag er noch auf der weissen liege, ein glas wasser neben sich, eine handvoll bunter pillen daneben…one for the road, hatte er noch gemeint und ein paar rote und blaue geschluckt…war er erwacht und hier hinuntergegangen? wenn es ein traum war, dann war er der realste, den er seit langem gehabt hatte. er konnte die kälte der wände fühlen und die nässe, die durch seinen pullover drang, als er sich kurz dagegenlehnte.
er machte einen schritt vorwärts und blieb dann abrupt stehen, als etwas weiches und gummiartiges sein gesicht streifte. seine augen hatten sich inzwischen an das hier herrschende dunkelgraue licht gewöhnt, es ähnelte einem ewigen zwielicht, nur war es dunkler, näher bei der nacht. viel näher. und ohne den morgen. er blickte den gang entlang und da waren sie - schwarze luftballons, die im schwachen luftzug durch die gänge trieben. der eine, der sein gesicht berührt hatte, schwebte vor seinem gesicht. er griff die schwarze schnur, die an dem ballon befestigt war und ging weiter den gang entlang, griff sich ab und zu eine der herunterhängenden schnüre und sammelte ein ganzes bouquet schwarzer ballons ein, bis er sie alle hatte. sie zogen an seiner hand, als würden sie sich dagegen wehren, mit ans tageslicht genommen zu werden. eigentlich hatte er vorgehabt, sie ins foyer mitzunehmen und dort freizulassen, es wäre ein bild für götter, das ganze foyer voll mit ballons und herunterhängenden schnüren, doch als er den fuss der treppe erreichte, stolperte er und liess vor schreck die schnüre los. sie trieben davon, den gang entlang und waren schon bald ausser sichtweite. es war erstaunlich, wie schnell sie gewesen waren.

irgendetwas, das er nicht sehen konnte - das er nie sehen konnte, aber das oft hier unten war, liess ein dunkles und kullerndes lachen hören. er hatte es schon einmal gehört, draussen, vor der bar, an einem windigen und regnerischen herbstabend, als alles dünngestrichelt aussah, wie eine zeichnung…als alles rundherum wie eine feingestrichelte zeichnung aussah. der regen fiel damals in dünnen schnüren herab, ähnlich den schnüren, an denen die ballons hingen, feine, dünne fäden, die vom himmel herabhingen, und der nebel war tief gehangen, hatte den blick auf die dächer der nachbargebäude verschleiert und den himmel bedeckt, mit grau und wieder grau. das wasser war laut gurgelnd in den kanal geflossen. damls hatte er das geräusch gehört, es schien aus dem kanal zu kommen, aber er konnte es nicht wirklich genau sagen. und ob es das wasser gewesen war. es klang aber anders. wie eine stimme, seltsam unmelodisch, ohne modulation, irgendwie roh. er war damals recht schnell wieder zurück in die bar gegangen, konnte er sich erinnern, und er hatte es auf’s wetter geschoben, das ja nasskalt war…manche dinge bleiben besser, wie sie sind - unbekannt, fremd und nicht wirklich fassbar. jedenfalls war es ein teil des ganzen. hatte sich hier eingenistet, als jemand die tür offengelassen hatte, da war er sich sicher.

er sah noch einmal zurück. natürlich konnte er nichts bsonderes sehen, nur den alten gang. von einer wand strichelte regen herunter und sammelte sich in einer pfütze, in der sich etwas träge zu bewegen schien.

twilight zone

teil 1

shine sprintet die gänge entlang, runter in den teil des gewölbes, das noch unerschlossen ist. es ist ihm nicht gerade wohl, aber irgendjemand hat ihm in der rezeption einen packen fotos auf den schreibtisch gelegt und diese fotos, die alle eine mumifizierte leiche zeigen, wurden alle in einer kammer aufgenommen, die shine kennt. er flucht leise vor sich hin, weil er wie immer die taschenlampe vergessen hat. eigenartigerweise brennen hier unten fackeln an den wänden - er fragt sich, wer sie entzündet hat. im russigen nebel kann er kaum noch sehen, wohin er läuft, aber er hat es im gefühl, dass es gerade richtig ist. was ihm seltsam vorkommt, ist die tatsache, dass er auch die schrift auf dem zettel nicht kannte, der auf den fotos lag. eine krakelige schrift wie krähenfüsse, als würde sich jemand bemühen, mit einer zittrigen hand zu schreiben.
er nähert sich der kammer und bleibt perplex stehen. das was er da sieht, kann nur eine illusion sein. lauter schwarze luftballons schweben unter der decke. er hat so etwas noch nie gesehen - der ganze raum ist mit luftballons angefüllt wie bei einer sehr morbiden geburtstagsfeier. von der leiche ist noch nichts zu sehen, aber wahrscheinlich muss er den raum erst betreten. er zögert noch. die geschichten, die man sich über diesen teil der katakomben erzählt, handeln von eigenartigen ereignissen. man hätte diesen teil zumauern sollen, so stand in einer aufzeichnung des vorbesitzers des hauses. er steht unschlüssig im halbdunkeln, die fackeln flackern beunruhigend, als würde sich ein luftzug erheben. und tatsächlich weht hier unten ganz plötzlich ein eiskalter wind. shine zündet sich eine zigarette an und überlegt vor sich hin. es wäre doch mal interessant, herauszufinden, was hinter diesen geschichten steckt…

der luftzug wird stärker, etwas nähert sich schnell von hinten und bevor er sich umdrehen kann, ist es schon heran, er wird zur seite gestossen und fällt gegen die wand, an der er sich mit der hand abstützt.

er sieht etwas von hinten, er kann nicht erkennen, was es ist, etwas grosses, von dem eine schreckliche kälte ausgeht. er ist froh, es nicht näher in augenschein nehmen zu müssen.

die ersten fackeln erlöschen.

er bemerkt, dass sich seine hand klebrig-feucht anfühlt und hält sie sich nahe vors gesicht, um noch etwas erkennen zu können. es sieht wie blut aus, dickes, schlieriges blut, das von seinen fingern tropft. die wand neben ihm scheint blut auszuschwitzen, ein ekelerregender geruch nach verwesung steigt wie dunst aus dem boden des ganges, und es wird immer nebeliger. der geruch nimmt zu. ekel krampft ihm den magen zusammen, beinah hätte er sich übergeben. angeekelt wischt er seine hand an der hose ab. die fackel, die neben ihm in der wand steckt, erlischt mit einem zischen. shine tritt den rückzug an….und zwar schnell. sehr schnell…
er kommt an der eisentür an, die den alten vom neuen teil trennt und atmet tief die frische, erdige luft ein, dann wirft er einen blickt zurück. der gang liegt in dichter dunkelheit, nichts rührt sich…oder doch? angestrengt starrt er in die dunkelheit. irgendetwas bewegt sich ganz hinten im gang, oder spielen ihm seine augen einen streich? für diesmal ist es genug, mehr möchte er jetzt gar nicht wissen. er steigt die treppen zum hotel hoch und bemerkt erst jetzt, dass er bleiern müde geworden ist.
er beschliesst, gleich schlafen zu gehen.

zurück in dark city. unkoordiniert, so als würde ein blinder versuchen, sich in einer fremden umgebung zurechtzufinden. in manchen gassen wünschte er sich ein nachtsichtgerät, die nacht war hier dunkler und dichter als sonstwo. durch eine dieser gassen musste er gerade durch, um zu seiner lieblingsbar zu gelangen, die nach mitternacht noch offen hatte. die gasse war stockdunkel, die letzte strassenlaterne hatte vor einiger zeit ihren geist aufgegeben. trotz dunkelheit blieb er mitten in der gasse stehen, und zündete sich eine zigarette an. er sah vor sich hin, betrachtete den boden, seine schuhe, die pfütze regenwasser in der gosse. er rauchte und sah vor sich hin, mehr tat er minutenlang nicht. dann, mit einem grossen seufzer, der sein ganzes innenleben auszufüllen schien, hob er den blick empor zu einer der hausfassaden. ein altes haus, herrschaftlich, noch immer prächtig. die fenster hoch, dahinter meterhohe räume. er fühlte müdigkeit und sehnsucht und so blieb er stehen, fühlte die kälte nicht, und bemerkte auch nicht, dass es zu regnen begonnen hatte. das eine fenster, zu dem er hinaufblickte, unterschied sich nicht von den anderen fenstern des hauses, und doch fixierte er es, als würde er nach einem stern ausschau halten. regen, der nachtwind und hinter einem schwarzen fenster der stern, der tief schlief, wahrscheinlich zur seite gebettet, wie sie es immer tat, hinter ihren augenlidern noch die erinnerungen an den vorigen tag, und er hoffte, es waren schöne erinnerungen, bessere als seine. er lächelte, während der regen über seine wangen lief. er würde noch ein, zwei drinks zu sich nehmen und dann wieder dieselbe gasse zurückgehen. vorbei an seiner heimat, zurück in seine wohnung gehen und dann betrunken genug sein, um einzuschlafen.

die pralinen waren von kelet! sie hat nur vergessen, eine karte dazuzugeben. ich kann mich noch erinnern, wie wir in der archangel bar über die vielfältigen asiatischen süssigkeiten und süssspeisen geredet haben. sie hat es ganz sicher auch nicht vergessen und deswegen diese pralinenschachtel geschickt..es sieht ein bisschen asiatisch aus, denke ich. die designs, alles..so sorgfältig und fein gearbeitet. so gut ausgesucht! kelet ist überaus genial.

der hacker vor der tür

es ist nicht lang her, da klopfte eines tages ein mann an meine tür, der sagte, er hacker und sein name sei jesus. er müsse ganz dingend meinen computer verwenden, weil er irgendwie vorhatte, alle grosskonzerne zu hacken und auf ihre websites ein dickes fettes arschloch upzuloaden, das gerade kackt, was weiss ich, jedenfalls war er speedig herinnen und sass schon am küchentisch, als ich noch die tür versperrte und argwöhnisch durch den spion äugte, ob ihm wer gefolgt war.

zum computer geht’s da lang, sagte ich und zeigte auf den gang, richtung mein zimmer. aber irgendwie war er in redelaune und hielt mir einen dermassen langen diskurs über linux, dass ich wohl eingepennt bin. schande, ich weiss. jedenfalls, der hacker jesus war schon weg, als ich aufwachte, aber die kaffeemaschine war noch warm.

es hassen dich viele, wenn du beginnst, auf egoistische weise vor dich hinzuleben, ohne ihnen auch nur eine chance zu geben, dich in ihr netzwerk einzugliedern. sie hassen dich, wenn du dich nicht als öffentliche person kreuzigst. die du geworden bist, als du in dieses biotop der vernetzten parasiten eingetreten bist. niemand ist eine insel, so sagte mal eine unsagbar hässliche kreatur zu mir, du wirst schon sehen, wie schnell du uns unterliegst und dann ein teil von dem bist, was wir sind, eine gigantische amorphe masse und glaub mir, dein inseldasein muss enden, du MUSST dich zum wohl aller auflösen.


und ich dachte gerade, dass es für die aufgefädelten würmer kein wohl mehr gibt, sie sind als nahrung gedacht, sie werden ausgeschlürft wie austern, sie denken vielleicht noch, es wäre ein opfer fürs grosse ganze, doch was dieses
geniale grosse ganze sein soll, das wissen sie nicht und sind dennoch bereit, sich dafür zu opfern.
was soll das grosse ganze sein? man sagt, es wäre die gesellschaft. das system. was steckt dahinter? steckt überhaupt irgendetwas dahinter?
irgendetwas ist faul hier. die gesellschaft der homunculi mit ihren dauergrienenden maskengesichtern. sie sind doch zu blöd, irgendwer muss doch diesen grossen plan ausgeheckt haben, wie man menschen dauerhaft schachmatt setzt. oder ist das alles nur die folge von unfassbarer dämlichkeit?

manchmal erkenne ich ein muster dahinter und ich seh es nur ganz kurz, doch es wird mir speiübel, wenn ich die linien dahinter sehe.fäden, linien, die sich zu etwas zusammenfügen, das mein geist nicht wahrhaben will. und doch muss er. er wird müssen. weil er ein hacker in der matrix ist. und das ganze wird noch verdammt weh tun.

ich diene der stadt nicht! non servam, spricht das zornige licht.

der tag der toten puppen, eine realsatire

im bus heute. ganz vorne gesessen was nicht gerade meiner art entspricht. es sei denn, ganz hinten sitzen schon welche. korrekt geraten: schulanfang. früher hatte ich den bus eigentlich für mich allein, d.h. im sommer, als alle weit weit weg waren und ihre krassen körper in irgendeiner verdammten italienischen versifften strandbumse soll heissen strand bräunen liessen und von sich dachten, es würde sie noch schöner und begehrenswerter machen.
falsch gedacht, spricht da der goth und lächelt fein.
ich versuchte ein starres lächeln, das von meinem spiegelbild auf der plexiglasscheibe hinter dem fahrer reflektiert wurde und da sah ich erst, dass ich fürwahr entzückend lächeln könnte wenn ich es nur öfter versuchte, aber wahre deine starre miene spricht da der goth in mir denn du solltest wie eine tote puppe sein

die tote puppe übte cooles kaugummikauen im spiegel, was machbar ist, wenn man dabei sein gesicht nicht verzieht. es war sonnig geworden und ich trug die warme flokatijacke die schon für den winter aus dem kasten gekrochen war..
heute morgen war es kühl, meine freunde…
der walkman passt genau in die tasche, was doch ein vorteil ist, so musste ich seine einzelteile nicht schon wieder vom asphalt kratzen wie so viele male zuvor, was am gürtel hängt, kann leicht fallen und es wird fallen, wie ich in erfahrung bringen durfte, es ist ein gesetz der natur, dass walkmanträger sich heutzutage lächerlich machen und zwar am allerbesten vor einer gruppe jugendlicher, die sonnengebräunt und im t-shirt an der bushaltestelle lauern
ich trug meinen winterpelz und fühlte mich wie eine katze in der mikrowelle, das gefühl ist eigenartig gut.
man ist anders und man zeigt es ihnen ohne mit der wimper zu zucken

ich fuhr dahin mit einer gruppe jugendlicher im rücken, die mich anscheinend nicht besonders wahrnahmen, was mich immer wieder schockiert bis anekelt denn gothic ist ugly, meine lieben unerleuchteten sonnengefickten freunde, hate me but don’t ignore me
gothic ist grausig und ekelt an, denn gothics sind, wie wir alle wissen, des teufels und noch schlimmer
eine kleine gruppe schwarzer wartete an einer haltestelle, mit bedauern wandte ich ihnen den rücken, ich war heute der coolste von allen im bus und wollte nicht aus der rolle fallen, ich war es mir selbst schuldig nach all diesen stunden im büro, doch die ausrufe der kids hätte selbst ein tauber vernehmen können es waren ausrufe des grauens und der verachtung, ja, des ekels, als sie einstiegen. selbst der feine wave in meinem walkman, der inzwischen auf höchstem lautstärkelevel lief, liess die hinterhältige soundkulisse durch und ich dachte mein gott, hurra, das könnte mir gelten, doch ich war ja ganz vorne und scherte sie einen dreck - merke vor: ganz vorne sitzen und das treiben der wahnsinnigen hinter dir wird dich locker nichts mehr angehen (was doch einigermassen langweilig ist).

meinen gelben zettel von der post schwenkend stieg ich schliesslich aus, vorne beim fahrer, was einem fauxpas gleichkam, denn vorne steigt man ein nicht aus, doch ich hatte das glück, die freitreppe des busses hinabzugleiten untermalt von wave sowie einem “jaaah”-ausruf eines düsteren jugendlichen hinter mir. dass die flokatijacke immer noch punkte bringt erstaunte mich oder lag es an der art wie ich meinen kaugummi kaute oder etwa daran dass ich endlich ausstieg? letzteres streichen wir, ich war heute schön und nobel, diesen eindruck zerstörte ich vehement, als ich mit diesem grauenvollen grinsen, dessen ich nicht mehr herrin wurde, die post stürmte und dem herrn am schalter den zettel hinwarf

du sollst deine living dead dolls ehren wie dich selbst. du sollst ihnen einen schrein bauen und ihnen huldigen mit räucherwerk, tänzen und gesängen, denn wenn du verabsäumst, sie zu ehren, werden sie dich nächtens zersägen und deine einzelteile auf alle mülltonnen der stadt verteilen.

es war eine grosse stunde im leben meiner exzellenz denn ich hatte das unverfrorene vergnügen, ein paket mit unheimlichem inhalt entgegenzunehmen - freudig sprang ich über stock und stein und wusste genau, dass es wieder mal einer dieser tage war, ein tag der freude, für andere ein langweiliger tag wie jeder andere, doch für mich wahrhaft erbaulich.
so viel zu meinem montag, der dank meines andersseins zu einer wirklich unglaublichen erfahrung wurde.
anders sein ist schön.
etwas anderes behaupten nur die, die ebenfalls behaupten, an einem stinknormalen montag könnte nichts aussergewöhnliches passieren.

die dolls haben sich dazu entschlossen, mich zu beobachten. ihre starren kleinen weissen gesichter….man könnte sich geradezu fürchten, wenn man nicht selbst so fürchterlich wäre. doch das ist man ja.

10.09.2007, archangel bar